Karl Hartung
20. September 2019 bis 2. Februar 2020

Der Bildhauer Karl Hartung (1908 – 1967) ist einer der wichtigsten Vertreter der Nachkriegsmoderne. Seinem Schaffen im Spannungsfeld zwischen Abstraktion und Figuration widmet sich die zweite Ausstellung im Kunstforum Hermann Stenner.

In Kooperation mit dem Künstlernachlass Karl Hartung, vertreten durch die Tochter Hanne Hartung und die Enkelin Anna Hartung, vermittelt durch den dem Kunstforum Hermann Stenner verbundenen Sammler Hermann-Josef Bunte, kuratiert der Hartung-Kenner Dr. Thomas Gädeke, Flensburg, diese Ausstellung, die auch bislang noch nie gezeigte Werke aus dem Nachlass des Künstlers vorstellen wird. Nach der Eröffnungsausstellung mit Gemälden und Zeichnungen des deutschen Expressionismus gilt es nun, mit dem Werk des Bildhauers Karl Hartung auch die spezifischen räumlichen Möglichkeiten des Kunstforums auszuloten und das neu gegründete Haus in ganz anderem Licht erscheinen zu lassen. 50 Skulpturen sowie bislang noch nie gezeigte, z. T. großformatige Zeichnungen geben einen Überblick über das Schaffen des Künstlers von den 1930er-Jahren bis zu seinem frühen Tod im Jahr 1967.
Im Jahr 1908 als Sohn eines Tischlers in Hamburg geboren, beginnt er seine künstlerische Ausbildung nach dem Abschluss einer Holzbildhauerlehre (1923-25) mit einem Studium an der staatlichen Hochschule für freie und angewandte Kunst in Hamburg, u.a. bei Johann Michael Bossard. 1929 folgt eine Studienzeit in Paris, die ihm Einblick in das Werk Rodins, Maillols, Despiaus und Bourdelles ermöglicht. Ein Aufenthalt in Florenz 1932/33 führt zu einer intensiven Beschäftigung mit dem Werk Michelangelos, Donatellos und der Kunst der Etrusker. Mit seiner Rückkehr nach Hamburg entwickelt sich seine zuvor figürliche Bildhauerei hin zur Abstraktion, beeinflusst durch seine Bekanntschaften und Freundschaften mit Arp, Archipenko, Brâncuși u.a.. Jedoch hält er das ab 1935 entstehende abstrakte Werk in der NS-Zeit geheim.

In der Nachkriegszeit erfährt Hartung, der 1950/51 als Professor für Bildhauerei an die Hochschule für bildende Künste in Berlin berufen wird und 1955 die Nachfolge Karl Hofers als Vorsitzender des Deutschen Künstlerbundes antritt, zahlreiche Ehrungen, Retrospektiven, Museumsankäufe sowie Aufträge im öffentlichen Raum. Vor allem jedoch seine Teilnahme an den ersten documenta-Ausstellungen 1955, 1959 und 1964 markieren seine stetig steigende Anerkennung.

Karl Hartungs Werk ist stringent in der Formensprache wie auch vielfältig in Motiv und Ausdruck variierend. So stetig er sich auf die Figur konzentriert, so abwechslungsreich sind Material und Ausformung. Die Ausstellung im Kunstforum Hermann Stenner zeigt Hartungs künstlerischen Weg über 30 Jahre hinweg als einzigartige wie zeithistorisch geprägte Künstlerbiographie. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit einem einführenden Essay von Dr. Thomas Gädeke, Werkkommentaren, zahlreichen Dokumenten und neuen Werkfotografien.
Zeitgleich wird sich eine Kabinettausstellung dem Thema „Hermann Stenner als Zeichner“ widmen.

Fotograf Ewald Gnilka, 1953.