Aatifi – Maraka
Malerei, Grafik, Installation, Video
22.11.2025 – 22.2.2026
verlängert bis 26.4.2026

 

Geheimnisvolle, dynamische Formen und Linien, Lichtfülle und vibrierende Farben kennzeichnen das abstrakt-skripturale OEvre des Künstlers Aatifi (*1965 in Kandahar, Afghanistan). Der Meisterkalligraf und studierte Maler (Kunstakademie Kabul und Hochschule für Bildende Künste HfBK Dresden) hat eine eigenständige, universell verständliche Bildsprache entwickelt, die zwei große Kulturkreise verbindet – die hohe Kunst der traditionellen Kalligrafie, die Lichtfülle und Farbenpracht der islamischen Welt und seines Geburtslands Afghanistan mit der zeitgenössischen Kunst der westlichen Welt, Stilelementen der deutschen Malerei und der Dresdner Tradition. Abstrahierte Fragmente arabischer Schriftzeichen setzt er völlig frei in einen neuen zeitgenössischen Kontext – vollkommen ihres herkömmlichen Inhalts enthoben. Seine oftmals raumgreifenden Malereien und Tuschezeichnungen leben von reduzierten Formen, expressiver Farbigkeit, Kraft und Dynamik, Tiefe und Raum.

„Die Arbeiten zeigen auf beeindruckende Art und Weise, wie Elemente einer langen kultur- und kunstgeschichtlichen Tradition durch spektakuläre Neuinterpretationen zu neuem Leben erweckt werden. Die persische oder arabische Kalligrafie – die wichtigste Kunstform in der klassisch-islamischen Welt – wird so von einem nur kulturell verständlichen ,Schriftcode‘ zum Teil einer modernen internationalen Kunstsprache – und das in einem hohen qualitativen Maßstab,“ so beschreibt Prof. Dr. Stefan Weber, Direktor des Museums für Islamische Kunst im Pergamonmuseum Berlin Aatifis Bildsprache. Er widmete dem afghanisch-deutschen Künstler 2015 eine große Einzelausstellung, die in die Dauerausstellung des Museums integriert mit den historischen Exponaten in Dialog trat und 1250 Jahre Kunst umspannte.

Meisterkalligraf, Maler und Grafiker
Deutschland ist seit 1995 Heimatland, Bielefeld seit 1999 Heimatstadt des Malers. Die große Einzelausstellung „Aatifi – Maraka“ im Kunstforum Hermann Stenner zu seinem 25-jährigen Atelierjubiläum in der Stadt umfasst über 100 Werke auf Leinwand und Papier. Sie zeichnet den künstlerischen Weg nach von den Anfängen als Kalligraf über Ausflüge in die Deutsche Schule der Malerei nach 1945 und den expressiven Realismus bis hin zur Entwicklung seiner markant-abstrakten Bildsprache: oftmals großformatige Acrylmalereien, Tuschezeichnungen, Unikatdrucke und Radierungen mit über den Bildrand hinaus wirkenden Formen und Linien im prägnanten ausholenden Gestus. Figurative und gegenständliche Arbeiten, beispielsweise aus der Schaffensphase an der Hochschule für Bildende Künste Dresden bei Professor Siegfried Klotz, ergänzen die Soloschau. Ein ,,Lebendiges Atelier“ im Museum verdeutlicht die Arbeitsweise des Künstlers, zudem beleuchten fünf Filme die Entstehungsprozesse von Werken und dokumentieren die Überarbeitung einer Malerei.

Farbe Blau als Verweis auf Lapislazuli
Aatifi arbeitet mit selbstgemischten Farbpigmenten oder verfeinerter Tusche aus traditioneller deutscher Herstellung. Die breiten, geschwungenen Linien entstehen mit selbstgebauten und weiterentwickelten Werkzeugen. Der Farbauftrag erfolgt in kalligrafischem Duktus – schwungvoll-konzentriert in einem Zug. Mit Materialien und Farbwahl verweist Aatifi auf die reichhaltigen Ressourcen weltweit – so steht die häufig in seinen Werken genutzte Farbe Blau für die hochwertigen Lapislazuli-Vorkommen in Afghanistan.

„In seinen Werken trifft Unterschiedliches aufeinander: Konkretes und Abstraktes begegnen sich in einem zugleich gegensätzlichen wie auch einander durchdringenden Prozess“, so beschreibt Dr. Alexander Leinemann (Münster) Aatifis abstrakt-skripturale Kunst. Seine malerische Geste, die auf seine meisterhafte Beherrschung der Kalligrafie verweise, lasse sich als Form begreifen, die einen universellen Zugang zur Erfahrung der Welt eröffne. Indem Aatifi die Abbildhaftigkeit der Dinge hinter sich lasse, würden seine Werke zu Denkräumen, sie eröffneten eine nicht an statische Betrachtungsmuster gebundene Sichtweise, die den Blick geradewegs auf das Wirkliche richte. Der Künstler selbst versteht seine Malereien und Grafiken als kulturen- und länderübergreifende Brücken zur Kommunikation zwischen den Menschen.

www.aatifi.de

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Aatifi: Ohne Titel 2, 2017, Acryl auf Leinwand, 140 x 190 cm © Aatifi 2017, Repro: Wolfgang Holm