Johannes Itten. Kunst als Leben
Bauhausutopien und Dokumente der Wirklichkeit
8.3.–28.6.2020

Eine Ausstellung des Kunstmuseums Bern
in Zusammenarbeit mit dem Kunstforum Hermann Stenner

Das Kunstforum Hermann Stenner widmet seine dritte Ausstellung dem Schweizer Künstler und Bauhauslehrer Johannes Itten (1888–1967). Zum ersten Mal wird mit der Ausstellung „Johannes Itten. Kunst als Leben. Bauhausutopien und Dokumente der Wirklichkeit“ das utopische Projekt Ittens, Kunst und Leben auf ganzheitliche Weise zu verschmelzen, ins Auge gefasst. Schon bei der Gründung des Bauhauses hat sich Johannes Itten als Künstler mit dem Konzept, in allen Kunstformen eine „höchst mögliche Entmaterialisierung der Einzeldinge“ zu erreichen, radikal positioniert und diese Gedanken programmatisch im berühmten Bauhaus-Almanach „Utopia. Dokumente der Wirklichkeit“ formuliert.

Zentrale Ausstellungsstücke bilden die neu erforschten und bislang nicht in diesem Umfang ausgestellten Tagebücher/Skizzenbücher Ittens, die ab 1913 seine künstlerische Praxis begleiten. darin sind nicht nur Ittens bahnbrechende kunsttheoretische Überlegungen u.a. zu seiner Farbenlehre nachzuvollziehen, sondern auch seine Gedanken zu einer Elementarlehre der Kunst, seine in diesem Ausmaß unbekannten Studien zu Alten Meistern, aber auch Lektürespuren zu esoterischen und naturwissenschaftlichen Ideen der Zeit. Daneben schlagen sich die Auseinandersetzung mit Vorstellungen von vegetarischer Ernährung, Atemlehre, rhythmischer Gymnastik und anderen lebensreformatorischen Elementen, die auch in der heutigen Zeit zunehmend an Aktualität gewinnen, in den Tagebucheinträgen nieder. Ittens zahlreiche Skizzen zeigen zugleich eine faszinierende Bandbreite künstlerischer Darstellungsformen zwischen Abstraktion, diagrammatischer Reduktion, Collage und figürlicher Darstellung, die den üblichen Narrativen von einer Entwicklung der Avantgardekunst widerspricht.

Die Ausstellung präsentiert das geheimnisvolle Tempelherrenhaus-Tagebuch, das am Weimarer Bauhaus entstand, sowie mehrere Hundert Seiten aus den wichtigsten späteren Skizzen-Tagebüchern. In ihnen ist seine bislang unbekannte Form einer umfassenden zeichnerischen Aneignung der Welt dokumentiert. Dazu kommen rund 40 ausgewählte Gemälde von herausragender Bedeutung.

Das Kunstmuseum Bern mit der dort deponierten Johannes-Itten-Stiftung bewahrt reiche Bestände an Gemälden und auch Tage- und Skizzenbüchern, die zum großen Teil noch nie präsentiert worden sind, und ist damit Hauptleihgeber der Ausstellung. Hinzu kommen Leihgaben aus internationalen Sammlungen, u. a. aus der Sammlung von Hermann-Josef Bunte, der die Ausstellungsübernahme nach Bielefeld vermitteln konnte.

Johannes Itten war 1913 gemeinsam mit Hermann Stenner Meisterschüler von Adolf Hölzel an der Stuttgarter Akademie. Ihre kurze, intensive Künstlerfreundschaft ist u. a. im „Bildnis Itten“ von Hermann Stenner (1913, LWL-Museum für Kunst und Kultur Münster) und in Johannes Ittens Gemälde „Lesender“ (1914, Kunstmuseum Stuttgart) dokumentiert. Der Bauhaus-Spezialist Dr. Christoph Wagner, Professor für Kunstgeschichte an der Universität Regensburg, veröffentlichte seine Erkenntnisse zur Verbindung Johannes Itten und Hermann Stenner bereits im Werkverzeichnis der Zeichnungen Hermann Stenners 2010 und ist neben der Direktorin des Kunstmuseums Bern, Dr. Nina Zimmer, Kurator der Ausstellung. Ein spezielles Itten-Stenner-Kapitel der Bielefelder Ausstellungsstation wird diesen künstlerischen Austausch beleuchten.

Abbildung:
Johannes Itten, Horizontal-Vertikal, 1915, Öl auf Leinwand, 73,7 x 55 cm, Kunstmuseum Bern, Anne-Marie und Victor Loeb-Stiftung, Bern © VG Bild-Kunst, Bonn, 2019