Johannes Itten: Kunst als Leben.
Bauhausutopien und Dokumente der Wirklichkeit.
8.3.–28.6.2020

Jeder Mensch ist bildnerisch begabt.

Johannes Itten, 1928

Mit diesem Schlachtruf ist Johannes Itten, ein halbes Jahrhundert, bevor Joseph Beuys mit seinem ästhetischen Imperativ »Jeder Mensch ist ein Künstler« berühmt wurde, öffentlichkeitswirksam hervorgetreten. Das 100. Jubiläum des Bauhauses ist Anlass der Ausstellung »Johannes Itten: Kunst als Leben. Bauhausutopien und Dokumente der Wirklichkeit«, die am Kunstmuseum Bern erarbeitet wurde und ihre einzige weitere Station im Kunstforum Hermann Stenner in Bielefeld hat.

Der Schweizer Künstler Johannes Itten (1888–1967) prägte dies bedeutende Kapitel der Kunstgeschichte wesentlich mit, war er doch einer der ersten vom Direktor Walter Gropius bereits im Gründungsjahr des Bauhauses 1919 nach Weimar berufenen Meister.

Die Ausstellung fasst zum ersten Mal das utopische Projekt Ittens, Kunst und Leben auf ganzheitliche Weise zu verschmelzen, ins Auge. Schon bei der Gründung des Bauhauses hat sich Johannes Itten als Künstler mit dem Konzept, in allen Kunstformen eine »höchst mögliche Entmaterialisierung der Einzeldinge« zu erreichen, radikal positioniert und diese Gedanken programmatisch im berühmten Bauhaus-Almanach »Utopia. Dokumente der Wirklichkeit« formuliert.

Zentrale Ausstellungsstücke bilden die neu erforschten und bislang nicht in diesem Umfang ausgestellten Tage- bzw. Skizzenbücher Ittens, die ab 1913 seine künstlerische Praxis begleiten. Darin sind nicht nur Ittens bahnbrechende kunsttheoretische Überlegungen u.a. zu seiner Farbenlehre nachzuvollziehen, sondern auch seine Gedanken zu einer Elementarlehre der Kunst, seine in diesem Ausmaß unbekannten Studien zu Alten Meistern, aber auch Lektürespuren zu esoterischen und naturwissenschaftlichen Ideen der Zeit. Daneben schlagen sich die Auseinandersetzung mit Vorstellungen von vegetarischer Ernährung, Atemlehre, rhythmischer Gymnastik und anderen lebensreformatorischen Elementen, die auch in der heutigen Zeit zunehmend an Aktualität gewinnen, in den Tagebucheinträgen nieder. Ittens zahlreiche Skizzen zeigen zugleich eine faszinierende Bandbreite künstlerischer Darstellungsformen zwischen Abstraktion, diagrammatischer Reduktion, Collage und figürlicher Darstellung, die den üblichen Narrativen von einer Entwicklung der Avantgardekunst widerspricht.

Die Ausstellung zeigt insgesamt etwa 400 Werke, darunter 20 ausgewählte Gemälde von herausragender Bedeutung, zahlreiche Aquarelle und Zeichnungen, gebundene Tage- und Skizzenbücher, das geheimnisvolle Tempelherrenhaus-Tagebuch, das am Weimarer Bauhaus entstand, und mehrere Hundert gerahmte Seiten aus seinen wichtigsten späteren Skizzen-Tagebüchern. Viele Werke werden zum ersten Mal überhaupt öffentlich vorgestellt.

Eine Ausstellung des Kunstmuseums Bern in Zusammenarbeit mit dem Kunstforum Hermann Stenner.

 

 

Ausstellungsflyer:
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Katalog:
Johannes Itten: Kunst als Leben. Hrsg. Nina Zimmer und Christoph Wagner, mit Beiträgen von Christoph Wagner und Malika Maskarinec, 232 Seiten, 162 Abbildungen in Farbe, 20 × 27 cm, Hirmer Verlag, ISBN 978-3-7774-3346-2, Museumsausgabe 29 €, erhältlich in unserem Shop.

 

App:
Der navigierte Rundgang mit spannenden Text- und Audioinhalten führt Sie durch die aktuelle Ausstellung. Die Kunstforum-App für Smartphones und Tablets ist kostenlos im Google Play Store und Apple Store erhältlich. In den Ausstellungsräumen steht Ihnen freies W-LAN zur Verfügung.

 

Abbildung rechts:
Johannes Itten, Horizontal-Vertikal, 1915, Öl auf Leinwand, 73,7 × 55 cm, Kunstmuseum Bern, Anne-Marie und Victor Loeb-Stiftung, Bern © VG Bild-Kunst, Bonn, 2019/20.