Johannes Itten: Kunst als Leben
Bauhausutopien und Dokumente der Wirklichkeit.
8.3.–12.7.2020

 

 

Jeder Mensch ist bildnerisch begabt.

Johannes Itten, 1928

Mit diesem Schlachtruf ist Johannes Itten, ein halbes Jahrhundert, bevor Joseph Beuys mit seinem ästhetischen Imperativ »Jeder Mensch ist ein Künstler« berühmt wurde, öffentlichkeitswirksam hervorgetreten. Das 100. Jubiläum des Bauhauses ist Anlass der Ausstellung »Johannes Itten: Kunst als Leben. Bauhausutopien und Dokumente der Wirklichkeit«, die am Kunstmuseum Bern erarbeitet wurde und ihre einzige weitere Station im Kunstforum Hermann Stenner in Bielefeld hat.

Der Schweizer Künstler Johannes Itten (1888–1967) prägte dies bedeutende Kapitel der Kunstgeschichte wesentlich mit, war er doch einer der ersten vom Direktor Walter Gropius bereits im Gründungsjahr des Bauhauses 1919 nach Weimar berufenen Meister.

Die Ausstellung fasst zum ersten Mal das utopische Projekt Ittens, Kunst und Leben auf ganzheitliche Weise zu verschmelzen, ins Auge. Schon bei der Gründung des Bauhauses hat sich Johannes Itten als Künstler mit dem Konzept, in allen Kunstformen eine »höchst mögliche Entmaterialisierung der Einzeldinge« zu erreichen, radikal positioniert und diese Gedanken programmatisch im berühmten Bauhaus-Almanach »Utopia. Dokumente der Wirklichkeit« formuliert.

Zentrale Ausstellungsstücke bilden die neu erforschten und bislang nicht in diesem Umfang ausgestellten Tage- bzw. Skizzenbücher Ittens, die ab 1913 seine künstlerische Praxis begleiten. Darin sind nicht nur Ittens bahnbrechende kunsttheoretische Überlegungen u.a. zu seiner Farbenlehre nachzuvollziehen, sondern auch seine Gedanken zu einer Elementarlehre der Kunst, seine in diesem Ausmaß unbekannten Studien zu Alten Meistern, aber auch Lektürespuren zu esoterischen und naturwissenschaftlichen Ideen der Zeit. Daneben schlagen sich die Auseinandersetzung mit Vorstellungen von vegetarischer Ernährung, Atemlehre, rhythmischer Gymnastik und anderen lebensreformatorischen Elementen, die auch in der heutigen Zeit zunehmend an Aktualität gewinnen, in den Tagebucheinträgen nieder. Ittens zahlreiche Skizzen zeigen zugleich eine faszinierende Bandbreite künstlerischer Darstellungsformen zwischen Abstraktion, diagrammatischer Reduktion, Collage und figürlicher Darstellung, die den üblichen Narrativen von einer Entwicklung der Avantgardekunst widerspricht.

Die Ausstellung zeigte insgesamt etwa 400 Werke, darunter 20 ausgewählte Gemälde von herausragender Bedeutung, zahlreiche Aquarelle und Zeichnungen, gebundene Tage- und Skizzenbücher, das geheimnisvolle Tempelherrenhaus-Tagebuch, das am Weimarer Bauhaus entstand, und mehrere Hundert gerahmte Seiten aus seinen wichtigsten späteren Skizzen-Tagebüchern. Viele Werke wurden zum ersten Mal überhaupt öffentlich vorgestellt.

Eine Ausstellung des Kunstmuseums Bern in Zusammenarbeit mit dem Kunstforum Hermann Stenner.

 

Flyer
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Katalog
Johannes Itten: Kunst als Leben. Hrsg. Nina Zimmer und Christoph Wagner, mit Beiträgen von Christoph Wagner und Malika Maskarinec, Hirmer Verlag, 232 Seiten, 162 Abbildungen, 20 × 27 cm, ISBN 978-3-7774-3346-2, 29 €, erhältlich in unserem Museumsshop oder hier bestellbar.

 

#mitabstandgutdrauf #gemeinsamschaffenwirs
Gemeinsame Sache – TANZ Bielefeld im Kunstforum Stenner

 

Pressestimmen
Reichtum in der Subjektivität(Bettina Maria Brosowsky, Bauwelt, 11.2020, Mai 2020)
»Für das erst im letzten Jahr dank mäzenatischer Stiftung des Bielefelder Bausysteme- und Schlüsselfertiganbieters Ortwin Goldbeck eröffnete Kunstforum Hermann Stenner sind Ausstellung und prominente Kooperation der Ritterschlag zum überregional wahrgenommenen Ausstellungshaus.«

Konzepte für Bilderarbeit (Achim Lettmann, Westfälischer Anzeiger, 18.5.2020)
»Die Ausstellung im Stenner-Forum will den Kunst-Leben-Anspruch sichtbar machen. Das Material dazu bieten die Skizzenbücher, die Johannes Itten seit 1913 anlegte und ›Tagebücher‹ nannte. […] Diese Zeichnungen und Abdrucke aus Ittens Krefelder Zeit (1932–38) lassen einen staunen. Das Gesamtbild von Kunst und Leben entwickelt einen Sog dem man sich nicht entziehen kann.«

Ein ewiges Pendeln zwischen Abstraktion und Figürlichkeit (Sven Behler, Die Glocke, 6.3.2020)
»Denn dass das namhafte Kunstmuseum Bern die eigene Schau über den Schweizer Maler, Pädagogen und Farbtheoretiker Johannes Itten (1888–1967) fast eins zu eins und exklusiv nach Bielefeld gibt, ist wahrlich eine Ehre.«

Begegnung mit einem Suchenden(Stefan Brams, Neue Westfälische, 6.3.2020)
»Es ist in der Tat eine ganz besondere Schau, die zu entdecken ist. Denn sie zeigt sehr anschaulich, wie der ›Hitzkopf‹, der 1919 von Walter Gropius ans Bauhaus nach Weimar berufen wurde, konsequent seinen Weg geht, Kunst und Leben zu verschmelzen, keine Trennung zwischen Alltäglichem und der Kunst zuzulassen.«

 

Abbildung rechts: Johannes Itten: Horizontal-Vertikal (Detail), 1915, Öl auf Leinwand, 73,7 × 55 cm, Kunstmuseum Bern, Anne-Marie und Victor Loeb-Stiftung, Bern, © VG Bild-Kunst, Bonn, 2019/20